Chromgegerbtes oder chromfreies Leder? Welches Leder ist zu wählen? Und wel-che Umweltauswirkungen sind damit verbunden?

In den vergangenen Jahren ist viel über die Umweltauswirkung von Chrom als Gerbmittel diskutiert worden. 

Chromgegerbtes Leder wird mit dem dreiwertigen (und ungiftigem) Chromsulfat gegerbt, das in der Natur und auch in Nahrungsmitteln vorkommt und einen lebenswichtigen Nährstoff für den menschlichen Orga-nismus darstellt. Mit Chrom gegerbte Leder sind widerstandsfähiger und weicher als Leder, die mit anderen Gerbstoffverfahren hergestellt werden. Bei der vegetabilen Gerbmethode werden vegetabile Gerbstoffe wie Mimosa (Rinde), Quebracho (Holz) oder Tara (Frucht) verwendet. Synthetische Gerbstoffe werden durch Synthese hergestellt, d.h. sie kommen nicht in der Natur vor. In der Regel werden synthetische Gerbstoffe nicht als alleinige Gerbstoffe, sondern in Kombination mit vegetabilen Gerbstoffen oder Chromgerbstoffen eingesetzt.

Will man die Umweltverträglichkeit der Chromgerbung mit der einer chromfreien Gerbung vergleichen, so sind verschiedene Vor- und Nachteile in Betracht zu ziehen.

Verbrauch von Wasser, Energie und Gerbstoffen

Heute wird das Wasser von den Gerbereien in viel sauberer Qualität den Flüssen wieder zugeführt als es dort entnommen wurde.
Aus Umweltschutzgründen werden die meisten Rohhäute frisch und fertig zur Weiterverarbeitung in die Ger-bereien geliefert, wodurch die Salzabgabe in das Abwassersystem stark verringert wird. Salz wird allgemein als kostengünstige Form der Konservierung von Rohhäuten angesehen. In Übereinstimmung mit den Stan-dardvorschriften lokaler Behörden betreiben die Gerbereien eigene Abwasserreinigungsanlagen und Abfall-entsorgungsanlagen für die Abfallprodukte von Gerbstoffen. Regelmäßig durchgeführte Inspektionen garan-tieren, dass die Qualität und die Umweltauflagen stets eingehalten werden.

Chromgegerbtes Leder ist bei der Herstellung ökologisch nachhaltiger, denn der Wasser- und Energie-Verbrauch bei einer vegetabilen Gerbung ist 35%  so hoch. Darüber hinaus ist die umweltbelastende Auswirkung auf das Abwasser, auf den Schlamm und auf Abfallprodukte (biologische und organische Mole-küle sind schwerer abbaubar) bei der Verwendung von vegetabilen Gerbstoffen größer. Abgesehen davon ist die Verwendung vegetabiler Gerbstoffe (mengenmäßig) zehnmal höher als bei der Chromgerbung. So gesehen hat die vegetabile Gerbung im Vergleich zur standardmäßigen Chromgebung bei der Herstellung keinen ökologischen Vorteil. Obwohl Chrom immer wieder in die kontroverse Diskussion gerät, gibt es bis heute keinen wissenschaftlichen Beweis für einen tatsächlich negativen Einfluss der Chromgerbung auf die Umwelt oder die menschliche Gesundheit. Hinzu kommt noch, dass eine synthetische und vegetabile Gerbung wesentlich teurer ist, als eine Chromgerbung, da das Gerbverfahren wesentlich komplexer ist. Bei der vegetabilen oder synthetischen Gerbung ziehen ich die Häute zusammen.

Kürzlich durchgeführte Studien haben ergeben, dass eine durchschnittliche Gerberei für die Herstellung von 1 Kg genarbtem Leder etwa 160 Liter Frischwasser verwendet, 5 Kg organischen Abfall erzeugt und einen CO2- Ausstoß von rund 8 Kg produziert. Vergleicht man den Wasserverbrauch der Lederindustrie mit ande-ren Industrien, so werden für das Bleichen, Färben, Drucken und für die Endverarbeitung einer Jeans 500 Liter Wasser verwendet. Dennoch gibt es weiterhin einen Spielraum, um die Verringerung von Abfall, Verun-reinigung, Energie- und Frischwasserverbrauch in der Lederindustrie zu verbessern.

Recycling

Hinsichtlich des Recyclings bzw. der Wiederaufbereitung hat Chrom den Nachteil, dass es in der Natur schwer abbaubar ist. Allerdings waren auch Teile der vegetabil gegerbten Lederbekleidung, die man bei der Gletschermumie Ötzi aus der Zeit um 3300 vor Chr. gefunden hat, unversehrt und hatten sich nicht natürlich aufgelöst. Normalerweise löst sich synthetisch oder vegetabil gegerbtes Leder ohne Finish in der Natur auf, wenn es in sehr kleine Teile gehäckselt wird (wie Sägespäne/Sägemehl).
Im Zusammenhang mit der Wiederaufbereitung bietet die Gerbung den perfekten Wiederverwertungskreis-lauf. Gerber verwenden Tierhäute, die als Abfallprodukt aus der Fleischwarenindustrie stammen. Abfälle aus der Lederindustrie werden dann für die Schuhindustrie verwendet oder als Dünger für Viehfutterpflanzen zur Fütterung der Tiere eingesetzt, die dann wieder das Rohmaterial für die Fleischwarenindustrie liefern. Hier-bei handelt es sich um ein sehr „grünes/ökologisches“ Recycling-Verfahren. Bei einer Entsorgung aller Häu-te als Abfall wären die negativen Umwelteinflüsse wesentlich höher als die Summe aller gegenwärtiger Gerbstoff-Verunreinigungen in der ganzen Welt. Leder hat gegenüber allen Textilmaterialien eine signifikant höhere Lebensdauer/Haltbarkeit. 

Obwohl die Lederindustrie zu den ältesten Handwerksberufen zählt und Leder wahrscheinlich als das erste Beispiel einer Abfallverwertung (Verwertung von Tierhäuten) betrachtet werden kann, kommen Gerbereien immer wieder in den Verruf, die Umwelt zu belasten. Grenzwertvorschriften für umweltbelastende Emissio-nen wurden jedoch nicht im Hinblick auf die Lederindustrie eingeführt, sondern sind Grenzwerte, die für alle Industriebereiche gelten. In Europa – und hier insbesondere in Mitteleuropa – haben wir insgesamt betrach-tet die niedrigsten Grenzwerte für Emissionen. Andere Länder haben wohl vergleichbar strenge Gesetz, nicht alle sind jedoch bei ihrer Durchsetzung so konsequent.

Unter Berücksichtigung der oben genannten Fakten kann demzufolge nicht eindeutig geschlossen werden, dass eine Gerbmethode einen ökologischen Vorteil gegenüber der anderen genießt.

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