„Öko-Leder“ - ein paradoxer Begriff
Leider werden die Begriffe Ökologie und Umweltverträglichkeit häufig als Marketing-Instrument missbraucht. So werden letztendlich im Verkauf Termini wie „Öko-Leder“ und „Bio-Leder“ verwendet, obwohl hierfür keine Definitionen existieren. Auch die internationale Gerbervereinigung (engl.: International Council of Tanners; Abk.: ICT) und die Union der internationalen Gerbereichemiker-Verbände (engl.: Union of International Tan-ning Chemists Associations, Abk.: IULTCS) haben bislang keine Kriterien zur Definition des Begriffs „Öko-Leder“ festgelegt. Zu diesem Zweck wäre eine umfassende Analyse umweltrelevanter Kriterien erforderlich. Außerdem müsste die gesamte Fertigungskette – angefangen beim Bauernhof und der Produktion der Chemikalien bis hin zum Ende der Lebensdauer eines Lederartikels - erfasst und bewertet werden, um die Nachhaltigkeit der Produktion eines ökologischen Lederartikels beurteilen zu können, der den Zusatz „ö-ko“ zu Recht verdient. Dieses Verfahren bezeichnet man als Ökobilanz (engl.: Life Cycle Assessment, Abk.: LCA). Derartig durchgeführte LCA-Studien weisen interessante Resultate auf: so neigt man etwa auf den ersten Blick zu der Annahme, dass vegetabil gegerbtes Leder als erstes den Zusatz „Öko“ verdienen müsste. Die Tatsache jedoch, dass die Herstellung vegetabil gegerbter Materialien im Vergleich zur Chromgerbung die doppelte Menge Wasser und Energie benötigt, lässt die Dinge in einem anderen Licht erscheinen. Es ist daher zu vermuten, dass die Ökobilanz eines vegetabil gegerbten Lederartikels anders aussieht und im Ver-gleich zu einem standardmäßigen Chromleder nicht unbedingt einen ökologischen Vorteil aufweist. Doch auch wenn vegetabil gegerbtes Leder von Vorteil wäre, kann man nie völlig auf die Chromgerbung verzich-ten, da weltweit nicht ausreichend nachhaltige vegetabile Gerbstoffe zu Verfügung stehen.